Wie du zwischen Anspruch und Wirklichkeit ein erfülltes Leben führst

Na, mit wievielen Dingen an dir und deinem Leben bist du aktuell unzufrieden? Was willst du alles noch lernen, verbessern, erreichen?

Wenn du zu meinen LeserInnen gehörst, kommst du bei genauerem Überlegen vermutlich auf eine ansehnliche Liste. Darauf stehen möglicherweise Dinge wie:

  • Bei mir selbst ankommen und in meiner Mitte sein.
  • Die Themen A, B und C gelöst haben.
  • Finanziell frei und unabhängig sein.
  • Einen Beruf ausüben/ein Business haben, wo ich ein großer Beitrag für andere bin und frei und selbstbestimmt arbeite.
  • Mehr Inspiration und gemeinsames Wachstum in meiner Beziehung – oder überhaupt eine Partnerschaft haben.
  • Einen Körper haben, der sich leicht, fit und gesund anfühlt.
  • Diese und jene Sprache, Methode oder Sportart lernen.

Jeder von uns hat Baustellen – Themen oder Lebensbereiche, die uns herausfordern oder an denen wir arbeiten möchten. So weit, so gut. Eigentlich völlig menschlich und normal.

Ein Problem entsteht dann, wenn du dein Glück und deine Zufriedenheit vom Erreichen dieser Ziele abhängig machst.

Dann rennst du nämlich wie ein Hase der Karotte hinterher, die man ihm vor die Nase hält – und er läuft und läuft und läuft.
Mit anderen Worten: Die Liste wird nie leer werden. Die Punkte mögen sich im Laufe der Zeit verändern. Einige Ziele wirst du erreichen, andere verlieren an Relevanz. Dafür kommen jedoch neue dazu. Wenn dein Ziel eine leere „To change“ Liste ist und du deinen Seelenfrieden daran knüpfst, wirst du dein Leben im Hamsterrad verbringen und ganz sicher nie ankommen.

Außerdem ist die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit das beste Futter deiner Selbstgeißelung. Schließlich hättest du dein Lebensthema in all den Seminaren und Ausbildungen doch schon längst lösen sollen. Und du weißt eigentlich auch ganz genau, was du tun müsstest, um dich gesund zu ernähren. Und warum zum Teufel gibt’s du immer noch so viel auf die Meinung anderer anstatt endlich dein Ding zu machen? Offensichtlich bist du einfach zu blöd und kriegst es nicht auf die Reihe…

Kommt dir das bekannt vor? Dieses ewige hin und her zwischen (Selbst-)Akzeptanz und Veränderungswunsch.

Und dann sind da noch deine persönlichen „Schwächen“, die du entweder selbst furchtbar nervig findest oder die andere an dir bemäkeln: du bist zu ungeduldig, zu emotional, zu wenig selbstbewusst, zu sprunghaft, zu wenig präsent, zu unruhig, zu langsam etc..

Es gibt viel zu tun. Und bei all diesen Punkten, an denen es zu arbeiten gilt, kann es leicht passieren, dass du das Wichtigste verpasst: das Hier und Jetzt.

Denn das Leben findet genau in diesem Augenblick statt, in dem du, dein Job, dein Körper, deine Beziehung so wahnsinnig un-perfekt sind. Und wie oft schon hast du die Gelegenheit verpasst, das Leben zu genießen und zu feiern, weil du allzu sehr mit dem Ausbessern und Aufhübschen deiner Makel beschäftigt warst?

Wenn du ehrlich bist, ist dir klar, dass dieses Spiel nie enden wird. Du weißt genau, dass du einer Illusion hinterherläufst, denn den perfekten Zustand wirst du nie erreichen.

Was also tun? Sollst du nun alle Vorsätze, Ziele und Wünsche über Board werfen und dich mit dem Status Quo zufriedengeben?
Mitnichten. Es geht vielmehr um einen entspannten Spagat zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Das heißt einerseits an deinen Baustellen zu arbeiten und gleichzeitig das Leben feiern und genießen.

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Wie schaffst du den Spagat?

Der wichtigste Punkt: Höre nicht auf, deine Ideale anzustreben. Aber höre auf, dein Glück davon abhängig zu machen. Mache also das Erreichen eines bestimmten Zustands nicht zur Bedingung für ein erfülltes Leben. So grausam es für anspruchsvolle Menschen wie dich und mich klingen mag: schließe deinen Frieden mit der Unperfektheit. Finde das Glück inmitten deiner Unzufriedenheit, deiner Fremdbestimmtheit, deiner überschüssigen Pfunde und deiner kriselnden Beziehung. Dein Leben ist weder schlecht noch bist du falsch nur, weil einige Dinge (noch) nicht so sind, wie du sie gerne hättest.
Glücklich sein ist eine Entscheidung, die du treffen kannst. Eine innere Einstellung. Sie ist nicht abhängig von Reaktionen im Außen.

Dein Wert als Mensch und dein Anspruch auf ein glückliches, erfülltes Leben sind nicht abhängig von Umständen und Reaktionen im Außen. Gib deinem Chef, deinem Partner, deinem Bankkonto oder deiner Waage nicht die Macht, über deinen inneren Frieden.

Mein Heilpraktiker sagte kürzlich zu mir: „Die ideale Gesundheit gibt es nicht. Aber ich werde dich natürlich darin unterstützen, sie zu finden.“. Klingt im ersten Moment paradox, aber es ist genau das, worum es geht: du strebst ein Ideal an, von dem du weißt, dass du es vermutlich nie erreichen wirst. Du hörst aber nicht auf, dafür zu gehen. Und gleichzeitig tust du alles dafür, dein Leben in jeder Sekunde voll auszukosten – so wie es jetzt in diesem Moment gerade ist.

Ein letzter Punkt liegt mir persönlich wirklich sehr am Herzen:

Du bist nicht falsch nur, weil du noch nicht Buddha’s Bewusstsein und den Körper eines Top-Modells hast. In der Weise, in der du die Unperfektheit deines Lebens akzeptierst, bist du aufgerufen, dich in Nachsicht mit dir selbst zu üben.
Die Tatsache, dass du diesen Artikel liest und meine Arbeit verfolgst, zeugt davon, wie sehr du bemüht bist, persönlich zu wachsen und dich zu entwickeln. Das ist ein lebenslanger Prozess und du wirst nie damit fertig sein. Also hör bitte, bitte damit auf, dich dafür fertig zu machen, dass du „es“ noch nicht geschafft hast. Das Leben urteilt nicht über dich. Es unterstützt dich nach Kräften auf deinem Weg. Mach‘ es ihm leicht, indem du dich selbst annimmst, wie du bist.

Vorgestern brachte eine Kundin in einer Session folgendes Thema auf: Sie haderte damit, dass ihr oft erst im Nachhinein einfällt, wie sie in einer Situation anders, besser hätte reagieren können. Sie fragte mich, was sie tun könne, damit ihr die Tools und Möglichkeiten schon direkt im Geschehen einfallen und sie sie sofort anwendet. In ihren Worten schwangen viel Selbstkritik und Selbstvorwürfe mit à la: „Warum krieg ich’s nicht auf die Reihe? Warum fällt mir das immer erst hinterher ein?“.
Meine Frage an sie war, seit wann ihr denn überhaupt schon auf- und einfällt, dass sie anders hätte reagieren können und welche Werkzeuge sie hätte anwenden können. Sie überlegte kurz und meinte: seit zwei bis drei Monaten.

Ich zeigte ihr auf, dass sie damit bereits einen großen Schritt gemacht hatte: vom unbewussten Ausleben bestimmter Muster hin zum bewussten Erkennen und der Klarheit, welche anderen Möglichkeiten ihr hier zur Verfügung gestanden hätten. In den vier Stufen des Lernens war sie damit bereits von der ersten auf die dritte Stufe gelangt. Als sie das sehen konnte, entspannte sie sich völlig und erkannte, dass das direkte Anwenden neuer Möglichkeiten in der Situation selbst eine logische Konsequenz sein wird, die sich in den nächsten Wochen und Monaten ganz automatisch einstellen wird.

Es ist unglaublich wichtig, dass du anerkennst, welchen Weg du schon hinter dir hast.

Wir alle neigen dazu zu sehen, was noch nicht gut ist, was wir noch nicht erreicht haben. Wenn du den Fokus alleine auf die „To change“ Liste legst und die „Already achieved“ Punkte übersiehst, fühlst du dich permanent schlecht und unzureichend.
Wo also bist du schon viel weiter als du denkst? Was alles hat sich bei dir in den letzten Wochen und Monaten verändert, was du noch nicht anerkannt hast?

Niemandem ist damit gedient, wenn du dich selbst fertig machst. Es ist eine deiner größten Aufgaben, dich selbst zu ehren und zu schätzen, obwohl oder gerade weil du noch all deine Baustellen offen hast.

Alles ist möglich. Auch für dich.

Herzlichst,

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4 comments

  • Susanne Wenninger

    Hey Carolin,
    das ist ein klasse Artikel! Du hast das Thema gut auf den Punkt gebracht….

    Ich bleibe weiterhin bei dir! 🙂

    Sonnige Grüße
    Susanne

  • Anne

    Hey Carolin,

    ich liebe diesen Artikel, wieder sehr schön und bekräftigend, weiter zu machen, den Mut und die Überzeugung zu behalten, auch wenn man mal das Gefühl hat, dass man gerne schon weiter wäre oder es nicht so recht vorwärts gehen will.
    Man kann immer wieder mal in sich hinein spüren. Und dann kann man durchaus bemerken, dass sich etwas verändert, auch wenn es im Außen noch nicht so offensichtlich ist. Immer im eigenen Flow bleiben ist eine ganz wichtig und den Geist mit den Inhalten zu füllen, die einen in die gewünschte Richtung bringen.
    Seitdem ich einen konkreten Weg vor Augen habe, wie ich meine gewünschte Freiheit erreichen kann, und seitdem ich weiß, dass ich diesen Weg auch gehen kann, seitdem stellt sich jetzt schon Vorfreude ein und es fängt bereits an, mich “wie von alleine” zu motivieren. Das ist ein phantastischer Fortschritt für mich, der mich bereits glücklich macht. Jetzt heißt es, am Ball zu bleiben, den Faden Tag für Tag weiter spinnen… Eine spannende Reise. 🙂

    Liebe Grüße und danke für Deine wundervolle Arbeit !